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Donnerstag, 28. April 2011

Es bewegt sich was, drüben über dem Teich...


General David H. Petraeus,
 Quelle: DoD via Wikipedia
Nachdem in den letzten Tagen ja mehrfach bereits vermutet worden war, dass Präsident Obama den CIA-Chef Leon Panetta als Nachfolger für den Amtsmüden (nach eigener Aussage...) Robert Gates ins Rennen schicken würde, ist nun auch die Nachfolge beim CIA geklärt - David Petraeus solls werden. Ein Spitzenmilitär und COIN-Experte auf dem Chefsessel der zivilen "Secret Squirrels"? Die Wahl erscheint nur auf den ersten Blick merkwürdig. Zum einen wurde die CIA schon mehrfach von hohen Militärs geführt, zum anderen wurde die Agency insbesondere nach dem 11. September deutlich militarisiert und in Teilen zu einer Schattenarmee umgebaut. Die Drohnenangriffe in Pakistan geschehen beispielsweise ausschließlich unter ihrer Ägide. 
Diese hatten in der jüngsten Vergangenheit zu starken Verstimmungen mit Pakistan geführt - ein Grund mehr für die Ernennung von Petraeus, der mit den Pakistanis offenbar "gut kann". Das kann nur hilfreich sein, den wichtigen Alliierten in der Region bei Laune zu halten. Und auch für Petraeus könnte sich der Gang zum Geheimdienst als günstiger Karriereschritt erweisen. Nachdem er für die Trendwende im Irak viel Lob geerntet hatte, lässt sich die Wiederholung dieses Erfolges in Afghanistan zunehmend schwer an - letztliches Scheitern durchaus möglich. Der jetzige Wechsel sorgt für eine gewisse Distanz zu dem politischen Fallout der garantiert ist, wenn die angekündigte Übergabe der Verantwortung und der damit verbundene Abzug ab 2011   auf Grund der Situation verschoben werden muss.
Director Leon Panetta,
Quelle: CIA via Wikipedia
Auch die Wahl Panettas macht durchaus Sinn. Eher Karrierepolitiker als sicherheitspolitischer Fachmann, ist Panetta in einer Phase des Umbaus und der unausweichlichen drastischen Kürzungen beim Militär genau der richtige Mann um das Pentagon durch unruhiges Fahrwasser zu schiffen. Insbesondere seine guten Verbindungen zum Kongress dürften sich bei den bevorstehenden Herausforderungen - bei denen sich auch das US-Militär den fiskalischen Realitäten stellen muss - positiv auswirken. Gates hatte ja bereits viele große Programme gekürzt oder gestrichen (was Notwendig war), ist aber nunmehr weitgehend verbrannt. Panetta wird diesen Kurs fortsetzen und darüber hinaus einen strategisches Umdenkprozess in Sicherheitsfragen forcieren müssen - die USA kann schon aus finanziellen Gründen nicht damit fortfahren, die derzeitige, stark durch kinetisches Vorgehen und militärische Abschreckung geprägte Strategie weiter zu verfolgen. Dass ein solcher Prozess bereits im Gange ist, zeigt sich in einem vom Woodrow Wilson Center veröffentlichen Paper, welches bereits seit einigen Tagen im Netz kursiert und welches ein radikales Umdenken in der strategischen Ausrichtung der US-Sicherheitspolitik einfordert. Geschrieben wurde es von zwei aktiven Offizieren aus dem Umfeld des "Chairman of the Joint Chiefs of Staff" - dem US Generalstab - und diskutiert von namhaften Experten. Das Paper gibts HIER. (ACHTUNG: Link führt direkt zum Dokument!)

Man darf gespannt sein.

Dienstag, 14. September 2010

Die andere Seite

Habe gerade einen Tip zu einem Link bekommen, den ich selbstverständlich keinem vorenthalten möchte. Worum gehts?
Folgt man der öffentlichen Debatte über Afghanistan ist (zumindest manchmal) erfreulicherweise zu beobachten, dass sich langsam die Erkenntnis durchsetzt, es dort nicht mit "den" Taliban zu tun zu haben, sondern mit einer Vielzahl von verschiedenen Gruppen und Akteuren mit sehr unterschiedlichen Motivationen. Darüber hinausgehende Analysen sind allerdings  Mangelware. Hier hat Prof. Lieven vom erhwürdigen Department of War Studies des King´s College in London mal einen Abriss über aktuelle Arbeiten zum Thema "human geography" in Afghanistan geliefert.

Unbedingt reinlesen! Lohnt sich!

(Danke Christian!)

Montag, 24. Mai 2010

Wir nennen es Krieg. Aber was für einen?

Es ist mir eine große Freude, an dieser Stelle einige Gedanken meines Berliner Kollegen C.K. veröffentlichen zu dürfen. C. und Ich teilen eine gewisse Frustration über Stand und Qualität der öffentlichen "Strategiedebatte", die zwar immer wieder eingefordert, selten aber qualifiziert geführt wird. 
Die leidige Krieg-oder-kein-Krieg-Debatte der vergangenen Jahre zeigt mit ihrem starren Festhalten an bekannten aber offenbar überholten Begrifflichkeiten, dass sowohl in der Öffentlichkeit als auch in den Planungsstäben weiterhin offenbar kaum Klarheit über das Wesen aktueller militärischer Konflikte besteht. Der Blick in die englischsprachige Forschungslandschaft könnte Denkanstöße liefern, erfolgt aber offenbar noch viel zu selten. 
C. hat sich dankbarer Weise bereit erklärt, die Früchte seiner umfangreichen Lektürearbeit mit uns zu teilen und wird ab nun in unregelmäßigen Abständen an dieser Stelle einige Denkanstöße zum Thema präsentieren. So without further ado:

Wir nennen es Krieg. Aber was für einen? 
Teil 1 - Asymmetrie
von C.K. 

Wer „Generation Kill“ noch nicht gesehen hat, sollte es schleunigst nachholen. Fog of War at its best. Eine Szene in Episode 5 zeigt wie Teile des 1st Marine Reconissance Btl. 2003 einen Hof im Irak beobachten. Sie sehen nur Zivilisten. Im nächsten Moment wird der Hof durch einen Luftangriff ausradiert. Die Beobachtenden sind geschockt. Von dem Hof ging wohl Mörserfeuer aus. Zum Zeitpunkt der Bombadierung allerdings war der Mörsertrupp schon abgezogen. Einer der Protagonisten bemerkt sinngemäß: Er war es nicht, der den Feind dazu bewegt habe sich hinter Zivilisten zu verstecken und sie als Deckung zu benutzen.

Guter Punkt, aber falsch.

Im ersten Teil seines wirklich inspirierenden Buchs Accidential Guerilla stellt David Kilcullen die Frage in welcher Art Konflikt „wir“ uns eigentlich befinden und stellt vier Paradigmen vor, die jeweils Teilaspekte dessen erklären, was gemeinhin unter „War on Terror“ firmiert. Die Frage nach der Natur des Konflikts müsste am Anfang jeder Frage nach einer Stratgie stehen, scheint mir in der Debatte aber vernachlässigt. Ich möchte hier Kilcullens Paradigmen vorstellen, so wie ich sie gelesen habe. Sie sind Denkanstösse.
Die Filmszene illustriert das, was Kilcullen das Paradigma des Asymmetric Warfare nennt. Der Grundgedanke ist mittlerweile eigentlich Common Sense. Die „konventionelle“ militärische Überlegenheit der USA ist so überwältigend, dass es für jeden Akteur, der eine Auseinandersetzung anstrebt, völlig irrational wäre nach deren (völkerrechtlich abgesicherten) Regeln zu spielen. Terrorismus, Insurgency, Cyber-Warfare etc. sind die Mittel, die vor diesem Hintergrund Erfolg versprechen, also werden sie angewandt. Erfolgreiche Methoden wie IEDs migrieren von einem Schauplatz zum nächsten und die Methoden werden ausgefeilter. So unterschiedliche Akteure wie Hisbollah, Taliban und AQ bedienen sich ähnlicher Vorgehensweisen, einfach weil sie funktionieren. Jeder Tag im Irak kostet die USA knapp 400 Mio $.  9/11 hat AQ wohl um die 1 Mio $ gekostet und einen Schaden von 27 Mrd. $ verursacht. Die folgenden Militäreinsätze schlagen bis Mitte 2008 mit 700 Mrd $ zu Buche. „The sun has set on the age of unquestioned Western military dominance. Bluntly the East has solved the riddle of the western way of war”. Hier zitiert K. Andrew Baceviec, aber er geht noch einen Schritt weiter. 
Hisbollah etc. mögen zwar die Pioniere dieser Art der Kriegsführung sein, aber der Erfolg wird weltweit registriert. Chinesische Militärs machen sich Gedanken wie man das „System der Systeme“ durch Überladung ausschalten kann. Es scheint also, als sei die immer wieder postulierte „konventionelle“ Überlegenheit keine mehr, denn die Art der Kriegführung hat sich geändert. Man hat ein Messer wo es einen Löffel braucht. Natürlich ist ein Messer ein wirklich überragendes Instrument zum schneiden von Brot. Leider nützt es nichts, wenn es gerade nur Suppe gibt.

Sonntag, 4. April 2010

Der COIN-Professor

In der Online-Ausgabe der VanityFair ist derzeit ein sehr lesenswerter Artikel über General David Petraeus zu lesen. Verfasst hat ihn Mark Bowden (u.a. Blackhawk down). Sehr lesbar!

Mittwoch, 3. Februar 2010

Mehr für Weniger

Hierzulande stöhnt man angesichts des Desasters beim Programm A400M von Airbus gerne mal laut. Zu Recht.  Mitte Dezember hob der Airbus A400M erstmals vom Boden ab und bewies, dass er zumindest eine grundlegende Forderung der Bestellernationen – das Fliegen -  grundsätzlich beherrscht. Beim Rest wird es wohl Abstriche geben müssen (sprich: möglicherweise weniger Tragkraft und/oder abgespeckte Systeme). Außerdem wird der Wundervogel wohl wieder einmal teurer werden. Erheblich teurer. Seit Jahren hat das Projekt wegen der verschiedenen Probleme, Verzögerungen und Verteuerungen schlechte Presse.
Die neuesten Forderungen aus dem Hause Airbus lassen den Flieger nun wieder auf der Kippe stehen, auch wenn die Regierungen schließlich vermutlich einknicken werden. Zuviel steht auf dem Spiel. Arbeitsplätze. Prestige. Karrieren. Letztlich brauchen die verschiedenen Luftwaffen allerdings auch wirklich in absehbarer Zeit einen neuen Flieger.
Angesichts solcher Probleme schielt man gerne mal über den großen Teich und fragt sich, warum man sich in Europa bei der Produktion von coolen Hightechfliegern eigentlich so schwer tun muss.  
Wie sich zeigt, sollten wir allerdings für Inspiration auf diesem Gebiet nicht unbedingt nach Westen schauen. US-Verteidigungsminister Gates hat gerade den Chef des Entwicklungsprogramms für die F-35 gefeuert. Dieser Superflieger soll bei den US-Streitkräften in naher Zukunft alles ersetzen, was so unter den Begriff Kampfflugzeug fällt. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Entwickler die sprichwörtliche „eierlegende Wollmilchsau“ entwickeln. Luft- und Bodenziele soll der Flieger angreifen können, auf Flugzeugträgern - in einigen Varianten sogar senkrecht - starten und landen können, und all dies auch noch für den Radar unsichtbar. Das hat bislang eher schlecht funktioniert. Das Programm ist hemmungslos hinter den Zeitplan zurückgefallen, wird – Überraschung – deutlich teurer und wird voraussichtlich die Erwartungen (sprich Forderungen) der Bestellernationen nicht ganz erfüllen können. Gates hat nun den Chef des Projekts gefeuert und dem entwickelnden Unternehmen die Boni gestrichen. So rund 650 Mio. $. Im Gegensatz zu Airbus murren die zwar, halten sich aber ansonsten bedeckt. Wohl auch weil sie wissen, dass der Flieger ohnehin letztlich gekauft werden wird.
In beiden Projekten haben die Unternehmen in der Wettbewerbsphase – sagen wir mal – optimistische Versprechungen bezüglich Leistung und Preis gemacht, die später nicht zu halten waren. Die Regierungsstellen haben dies vor Vertragsunterzeichnung entweder nicht entsprechend geprüft (sprich: sie waren unfähig) oder es gab den politischen Willen, den Auftrag genau diesem Hersteller zuzusprechen (sprich: gute Lobbyarbeit – positiv formuliert). Dazu kommt die Tendenz der Regierungen, alle möglichen und unmöglichen Fähigkeiten in den Forderungskatalog zu schreiben. Bei der F-35 wurde dies oben bereits kurz ausgeführt, beim A400M manifestiert sich dies in dem Versuch zwei unterschiedliche Klassen Flugzeug – den taktischen UND den strategischen Transporter – in ein und dieselbe Maschine zu pressen. Dies macht die Entwicklung zu einem Vabanquespiel und führt mit der oben angeführten Tendenz der Unternehmen, unrealistische Versprechungen zu machen, geradezu zu garantierten Preissprüngen und Leistungsdifferenzen.
Hinzu kommt die zunehmende Konzentration auf dem Rüstungssektor, wo wenige Monopolisten Entwicklung und Produktion beherrschen. Systemrelevant nennt man dies in anderen Zusammenhängen. Und genau wie im Finanzsektor verleiht es den betroffenen Unternehmen die Sicherheit, dass sie selbst dort, wo man kleineren Unternehmen wegen mangelnder Vertragserfüllung bereits gekündigt hätte, trotzdem ihr Geld vom Staat bekommen. Oft deutlich mehr als eigentlich vereinbart. Und oft für weniger, als eigentlich beschlossen.  
In Zeiten klammer Kassen sollten sich die verschiedenen Regierungen überlegen, ob sie sich diese Art der Beschaffung von Rüstungsgütern weiterhin leisten wollen oder können. Bislang hat unser Verteidigungsminister Härte gegenüber Airbus demonstriert. Mal sehen wie lange noch.
Die Russen haben übrigens vor wenigen Tagen ihr Kampfflugzeug der 5. Generation überraschend zum ersten Mal fliegen lassen. Sieht schick aus. Schaut man auf die Programmdauer und die Kostenentwicklung, sollte man aber auch hier nicht unbedingt abkupfern.